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Unschuld

BeautifulExperience:


"Ich öffne meine Augen und sehe dich so, wie ich dich sehen will, so, wie du gewesen bist in meiner Vorstellung, in diesem Idealbild deiner selbst, dem du niemals wirst gerecht werden können.
Zuletzt schließe ich meine Augen und sehe mich selbst an. Was ich sehe, gefällt mir nicht, es macht mich wütend, blind vor Hass, und ich ramme meine Fäuste geradezu ekstatisch immer wieder in das zersplitternde Glas des Spiegels, bis das strömende Blut mir bewusst macht, dass ich nie wieder eine Freundschaft wie diese erleben werde."

Sternentanz (Kali)


"...und sie hörte die Schreie der ersten herbeieilenden Menschen nicht. Ihre Hand im blutigen Fleisch seines Rückens spürte pulsierende Muskeln, die die alten Fasern ersetzten, und sie zog sie zurück und leckte ihre Finger ab, während er sie durch ihre Kleidung zu stoßen begann und sie sich wie besessen an der harten Ausbuchtung in seiner Hose rieb. Sein Gesichtsausdruck war animalisch, seine Augen glühten wie die eines Dämonen in der Hölle, als er sie ein weiteres Mal aufforderte.
Und dieser letzte Kuss übertraf alle."

Der Kuss


"Der Stoß traf ihn unerwartet, und er hatte das beängstigende Gefühl, auf der durchsichtigen Fläche des Glasflurs das Übergewicht zu bekommen. Sein Magen drehte sich, und die panischen Schreie der Menschen waren nun beinahe so laut wie die markerschütternden Schreie der Vögel, als der Rauch dichter und die ersten Flammen bei den Fahrstühlen sichtbar wurden. Wie war das möglich?
Wie war es so schnell möglich?
Instinktiv krallte er sich fest, und es wunderte ihn nicht, dass sich das Metall in seiner Handfläche kalt und heiß zugleich anfühlte. Als er nach vorne schaute, hatten sich die Vögel nicht von der Stelle bewegt. Seine Augen tränten durch den Rauch, und der Atem brannte in den Lungen, als er sich blitzartig der Situation im Eaton Centre bewusst wurde. Die Vögel waren Nachbildungen, und außer dem komplexen atmosphärischen Rauschen des Centres konnte er keine Laute hören. Aber hier im Turm waren sie lebendig, und ihre Schreie waren lauter als jemals zuvor. In diesem Augenblick erkannte er das Muster, und er setzte sich ohne nachzudenken in Bewegung. Die meisten Menschen hatten sich auf das Freiluft-Observationsdeck gerettet, und obwohl der Rauch inzwischen stellenweise dichter war und das Atmen unmöglich machte, gelang es ihm, den Ausgang zu finden.
Der Wind erschien ihm noch kälter als zuvor, und es erfüllte ihn mit Angst und Mitleid, einige der verzweifelten Menschen hilflos an dem engmaschigen Metallgitter rütteln zu sehen. Wollten sie tatsächlich springen, um nicht bei lebendigem Leib zu verbrennen?
Er sog die Luft tief in seine Lungen, und er zwang sich, ruhig zu atmen."

Das Nest


"Einen Moment lang löse ich meine Lippen von dir und sehe mich um: da stehen sie mit weitgeöffneten Mündern und können nicht begreifen, was sie sehen. Entsetzen hat sie gelähmt, und das Adrenalin in ihren Körpern lässt die meisten schreien anstatt zu flüchten. Das Zucken deines Körpers wird langsam schwächer und ich fühle, welche Angst ihnen dieser Anblick des herannahenden Todes bereitet.
Eine Sekunde überlege ich, ob du mir genug sein wirst, so gierig macht mich dieses panische Gefühl der Menge.
Ich kann mich nicht entscheiden, ob mir der Blick über die Alster oder der Anblick des Rathauses besser gefällt, und ich berausche mich an meinem eigenen Lachen. Ich liebe Hamburg!

So lange habe ich auf diesen Augenblick gewartet!
Deine Augen sagen mir, dass du keinen allzu langen Weg mehr vor dir hast, und fast empfinde ich so etwas wie Mitleid mit dir.
Dann beuge ich mich vor, um nicht allzu viel zu verschwenden.

Als ich spüre, wie du mich nun liebevoll umarmst, wird mir eiskalt."

Deadline


"Als er die Augen öffnete, war es für einen Moment wie unter Wasser. Er fühlte den kühlen Druck auf seinen Augen, und sein Körper fühlte sich seltsam leicht an.
Würde er atmen können?
Das Wasser strömte wie flüssiger Sauerstoff in seine Lungen, und er glitt wie ein Mantarochen mit ausgebreiteten Armen dicht unter der Oberfläche dahin. Das Spiel der Wellen verwandelte die Sonnenstrahlen in lebendige Wesen, die die Dunkelheit der Tiefe verspotteten, und als Henry vollends zu sich kam, behielt sein Körper die Leichtigkeit dieses Halbschlafes bei.
Es war ein ungewohntes, ein beinahe nicht mehr bekanntes Gefühl, den eigenen Körper nicht als schwere Last zu empfinden.
Der Ausdruck seiner Augen im Spiegel war klar, hatte nicht den so vertrauten Zug von Traurigkeit und Resignation, den er sonst darin erblickte.

Als er die große Freitreppe der Bücherei hochging, hielt er inne, als sich der Marmor zu verändern begann. Beinahe zeitgleich hörte er das Flüstern, und die wirbelnden Farben wichen zurück, das Tor wurde kleiner und schloss sich. Das Flüstern klang nach, und es fühlte sich an wie ein kleiner Wasserfall, der sich von seinem Nacken aus kühlend über seine Schultern und den Rücken ergoss..."

Der erste Sohn Agnis


"Es war keine lange Zeit, die ich mit ihr verbringen durfte; der Moment, in dem wir die Gondel unseres ganz persönlichen Riesenrades miteinander teilten, war nicht beständiger als die zerrissene, wie eine Feder aussehende Wolke, die gerade am blauen Himmel vorüberzieht.
Aber obwohl unsere gemeinsame Fahrt nicht mehr als drei Runden zählte, kamen wir sehr hoch hinaus: unsere Blicke reichten weit, die Lichter der Stadt funkelten unter uns wie Diamanten und unsere Fingerspitzen konnten fast die Sterne berühren, als wir die Arme ausstreckten."

Seelenbild


"Deine Berührung weckt meine Lust, und der Ausdruck in deinen Augen stachelt meine Begierde an. Dein Körper ist von Kopf bis Fuß der eines wilden Tieres, verführerisch und gefährlich zugleich. Mehr Nähe lässt du nicht zu, doch nichts wird mich davon abhalten, den Raum zwischen uns zu überwinden."

Liebeslied


"Ich stürzte zum Waschraum und ließ sie alle hinter mir, all die starrenden, ekelerfüllten und widersinnig anklagenden Gesichter - Fratzen, die mich anstarrten, als hätte ich die Verantwortung zu tragen für das, was da passiert ist, als hätte ich ihn regelrecht dazu aufgefordert, mich in diese abscheuliche Situation zu bringen! In meinem Denken sah ich ihre Köpfe explodieren, sah sie zerspringen zu einer breiigen Masse aus Knochensplittern, Hirnmasse und Blut.

Ich weiß nicht, wieviele Tage ich meinen Kopf unter den Wasserstrahl hielt, bis meine brennende Gesichtshaut wieder abkühlte und meine Gedanken wieder klar wurden. Irgendwann spürte ich eine Hand auf meiner Schulter, drehte mich um und blickte in ein besorgtes Gesicht, dessen Mund Worte formte, die ich nicht hören konnte - ich nickte dennoch und das Gesicht verschwand, ließ mich allein mit dem übermächtigen Wasserrauschen und meinem mir so unbekannten Spiegelbild: Die Haare hingen mir nass ins Gesicht, Wassertropfen rieselten von meiner Haut und meine Augen leuchteten mir entgegen wie Eiskristalle."

Die Farben der Sonne



© BeautifulExperience: DAS BUCH DER TRÄUME



Ich hab heute etwas über meine Lieblingsschriftsteller geschrieben, aber ich hab was Wichtiges vergessen: Du könntest der Beste von allen sein, ohne dass du dir große Mühe geben musst.
Aber du solltest schreiben, da hat Asfahani Recht!
Es ist dein Talent, deine Gabe, und ich finde, dass du sie vernachlässigst.
27.12.06 16:45
 


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bisher 11 Kommentar(e)     TrackBack-URL


beeeeeee / Website (27.12.06 17:32)
Salut! Xtrem gut, dass du's mal so gesagt hast, denn ich hätte mich das nie getraut (ich schreib ja selbst viel zuwenig, als dass ich Bo kritisieren könnte).
Aber ich hab das in letzter Zeit auch oft gedacht, und irgendwie muss er doch trotz seinem Training einen Weg finden, wieder aktiver zu werden?

Bee>>>


madame shila* / Website (27.12.06 20:09)
hey bee

jah, allerdings wurde ich reich beschenkt x) trainerhose? heisst das nicht so? d:
von mir aus jogginghose x) ich mixe das schweizerische und deutsche manchmal ungewollt..


BeautifulExperience / Website (27.12.06 21:02)
Danke.


Rose / Website (28.12.06 13:04)
Weiterschreiben ist das Stichwort, Sabs...Klar könnte ich jetzt sagen, ich würde das auch unterschreiben, aber ich komm selbst kaum noch zum Schreiben, als das ich mir das Urteil erlauben könnte...Aber da liegt nun mal deine Stärke, Bo...
lg, Rose


Christina (28.12.06 15:21)
Wer ist denn BeautifulExperience? Und wo finde ich dieses "Buch der Träume"? Ich habe schon bei Amazon nachgeschaut und da ist nichts zu finden.
Die Textausschnitte sind jedenfalls sehr stark und bildgewaltig.


Christina (28.12.06 15:35)
Ich habe das Buch gefunden, als ich mit der Maus über den Text bin!


regenbogenfarben / Website (28.12.06 18:37)
@ Bee>>>: Das können ihm nicht genug Leute sagen!! Sei nicht so zurückhaltend, du bist es ja auch sonst nicht .

@ madame shila: Ich glaube, du meinst "Trainingshose" *g*.

@ Bo: Du hast sechs SMS und zwei Mails von mir, und ich werde bald wahnsinnig!!

@ Rose: Gut, dass du den Nachsatz noch gesagt hast! Er soll sich nicht so anstellen und endlich mal wieder aus der Deckung kommen.

@ Christina: BeautifulExperience ist ein Faulpelz, der nur noch dran denkt, sich ein Sixpack anzutrainieren und das Schreiben vernachlässigt.
Nein, er ist ein ganz Lieber, aber es ist wichtig, dass er seine Zeit ein bisschen anders einteilt. Und da du das BdT inzwischen ja gefunden hast, erfährst du alles Weitere ganz von selbst.

xx


BeautifulExperience / Website (2.1.07 18:09)
Du hast mich geweckt, und diesmal sag ich mehr als danke. Es gibt Phasen, da laufe ich Gefahr, den Zugang zu verlieren, aber es sind immer Phasen, die ich selbst verschulde. Dann ist es wichtig, Freunde wie dich zu haben, die auf wirklich geile Ideen kommen. Und sowas vergesse ich dir nie.


regenbogenfarben / Website (4.1.07 21:28)
Danke, Bo. (Und ich hab jetzt auch mit meinem Gejammere wegen David aufgehört; wenn du noch Lust hast, können wir)

xx


BeautifulExperience / Website (5.1.07 10:35)
Hey, klar hab ich noch Lust! Thanx für die Mail. Die Ideen sind allesamt geil, und ich wäre dafür, dass du einfach einbaust, was immer du willst.

LG!
Bo


regenbogenfarben / Website (5.1.07 21:53)
Schon gemacht! Und in deinem Mailfach.

xx

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